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Ein spiritueller Umgang mit Herausforderungen – Teil II

Eine Herausforderung ist wie eine Schatztruhe, sie trägt in ihrem Kern das Potenzial für Entwicklung. Es liegt an uns, ob wir diese Truhe öffnen wollen und wie wir ihr begegnen. Wir können uns diesen Zusammenhang auf der Zunge zergehen lassen und spüren, wie er an unserem inneren Gedankenkonstrukt rüttelt. Wie begegnen wir diesem Potenzial? Der Weg an sich ist schlicht. Erstens: wir entscheiden uns in aller Bewusstheit dafür diesem Potenzial zu begegnen, indem wir seine Existenz für möglich halten und uns nicht davor verschließen. Zweitens: wir urteilen nicht über die Art und Weise der Herausforderung. Das ist der direkteste Weg, den wir gehen können. Begegnen wir einer herausfordernden Situation offen und urteilsfrei, bekommen wir die Möglichkeit ihre Essenz zu sehen. Das sind die zwei Voraussetzung, um zu wachsen.

 

Welcher Gewohnheit folgen wir?

Im Grunde ist uns dieser Zusammenhang auch mehr oder weniger klar. Jeder hat einmal im Leben eine große oder kleine Herausforderung erlebt, ist nicht direkt ausgeflippt und hat später erkannt, dass diese innere Ruhe einem dem Arsch gerettet hat. Aus welchem Grund reagieren wir dennoch auf Herausforderungen so häufig mit Abwehr anstatt Zuversicht?

Warum fällt es uns schwer, entspannt und friedvoll darauf zu blicken?

Welche Vorurteile hegen wir gegen das Schwierige, das Herausfordernde, das Neue?

Bevor wir eine Herausforderung als schwierig oder unangenehm betiteln, ist sie in Wahrheit zuerst einmal nur neu. Wir stehen in erster Linie nur vor etwas Unbekanntem. Weder haben wir die Herausforderung in Gänze beschaut, noch wissen wir, was die Situation wirklich für uns bereit hält. Doch in unserem Inneren überschlagen sich sogleich Mutmaßungen und allerlei Szenarien nehmen ihren Lauf. Wer denkt schon bei einer Kündigung oder Trennung völlig entspannt daran, dass es eine wunderbare Möglichkeit ist, um sich weiterzuentwickeln oder etwas Neues zu erfahren? Wie viel Kummer und Leid tritt nur ein, weil wir denken, dass Leid bei Verlust dazu gehört? Wie viel Leid produzieren wir selbst, weil wir meinen zu wissen, was uns erwartet? Dabei beruht die Quelle unserer Annahmen allzu oft auf Erinnerungen und Glaubenssätzen, die nichts mit der Realität und dem jetzigen Moment zu tun haben. Um nicht in diese übliche Abwärtsspirale zu geraten, müssen wir unser Inneres genau beobachten. Welche Gedanken schießen uns als erstes in den Kopf, wenn wir vor einer herausfordernden Situation stehen? Dafür können wir unsere Beobachtungsgabe aktiv und bewusst einsetzten. Wenn wir bewusst sind und lernen innerlich zu beobachten, dann können wir unsere eingefahrenen Muster auf frischer Tat ertappen. Hier beginnt die Transformation.

 
Alte Gewohnheiten loslassen

Wir sind es schlichtweg nicht gewohnt, einer neuen Situation neutral zu begegnen, schon gar nicht, wenn diese Situation herausfordernd für uns ist. Vielleicht tendieren wir sogar dazu, bei guten Neuigkeiten erst einmal nach dem Haken zu suchen? Wir neigen dazu in der Herausforderung nur das Schwierige zu sehen. Dabei kann eine Herausforderung auch der Startschuss für einen wertvollen inneren Entwicklungsschritt sein. Doch Gewohnheiten lassen sich ändern. Eine Gewohnheit ist nichts weiter als ein Automatismus, den wir sehr lange einstudiert haben, um ihn anschließend in unseren inneren Kreislauf zu entlassen. Doch wir haben als Mensch die Möglichkeit uns SELBST kennenzulernen. Dieses göttliche Selbst, welches unveränderlich den Kern unseres Wesens ausmacht. Dieses Selbst, welches keine Muster hat. Das Selbst, das einfach nur ist.

 

Den Augenblick wahrnehmen

Wenn wir diesem inneren Kern in uns begegnen wollen, dann ist der jetzige Moment unser Spielfeld, in dem wir alle Informationen bekommen. Wir können uns selbst nur im aktuellen Moment wirklich kennenlernen, denn alles andere ist von unseren Erinnerungen getrübt oder von Zukunftsvisionen verfälscht. Der einzige Ort an dem wir diesem Selbst begegnen können, ist das Jetzt. Nur hier können wir auch die wahre Beschaffenheit einer neuen Situation erkennen und ihr Potenzial sehen. Wir können an der Herausforderung wachsen, wenn wir sie nicht verurteilen. Um sie nicht zu verurteilen, müssen wir neutral beobachten. Es gibt keine Notwendigkeit zu urteilen. Urteile machen unseren Geist trüb. Wenn wir urteilsfrei beschauen, dann wird unsere Sicht dadurch geklärt. Alte Gewohnheiten haben keinen Bestand, wenn wir urteilsfrei auf eine neue Situation oder Herausforderung blicken. Das urteilsfreie Beobachten ist eine bewusste Aktivität und eine bewusste Entscheidung, es ist kein passiver Akt. Der neutrale Blick verschafft uns die nötige Lebendigkeit, um mit einer neuen Situation umzugehen. Der Moment der Akzeptanz lässt uns so auch die Gesamtheit einer Situation erkenne. Die Fähigkeit der urteilsfreien Akzeptanz ist das, was uns wirklich frei und handlungsfähig macht.

 

Freiheit

Jede Bewertung ist ein Schleier, der uns unfrei macht. Unfrei, weil der Schleier uns in eine bestimmte Richtung drängt. Dieser Schleier lässt uns Erfahrungen in gut und schlecht unterteilen. Dabei ist alles, was wir im Leben erfahren Entwicklung. Bleiben wir jedoch frei von jeglichen Urteilen, können wir die Essenz einer Situation viel schneller erkennen. Dann können wir das unveränderliche Wahre in uns erkennen, weil es keine Abhängigkeiten von äußeren Einflüssen mehr gibt. Unser Verstand kann mit alten Erinnerungen jonglieren, doch wirkliche neue Eingebungen bekommen wir nur, wenn wir ohne Wertung sind.

 

Und so kann es kommen, dass wir eine Herausforderung, anstatt uns vor ihr zu fürchten, freundlich hereinbitten. Sie willkommen heißen, weil wir ihr Potenzial sehen, welches sie für uns bereithält. Wir dürfen die Angst, welche uns angesichts einer Herausforderung zuwinkt, dankbar als Hinweis annehmen. Als Hinweis dafür, dass etwas Neues vor der Tür steht. Dieser innere Umgang macht uns entspannt und zeugt dennoch von Stärke und Vertrauen. Unbefangenheit, Offenheit und das urteilsfrei Beschauen sind somit das, was uns wahre Größe verleiht. 

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